nachdem mich Claudia dezent darauf hingewiesen hatte, dass ich ja versprochen hatte einen neuen Beitrag zu schreiben, möchte ich dieses auch gerne nachholen.
Ich habe gerade nachgeschaut, dass der letzte richtige Eintrag schon sage und schreibe 1 Monat her ist. Seit dieser Zeit ist natürlich auch viel passiert, was ich euch nicht vorenthalten möchte.
Es war der 26. November. Ich arbeitete fleissig bis in den späten Abend vor mich hin als das Event "Butterbrot und Bier", welches vom DAAD veranstaltet wurde, startete. Der als bekannter und ernster Künstler betitelte Musiker und Zeichner startete seinen Gastauftritt bei uns im Gebäude. Jim Avignon, so hieß er, startete sein Musikprogramm, indem er mit verschiedenen Masken vor seinem Gesicht wild auf der Bühne herumfuchtelte und versuchte ein paar Töne zu treffen. Es war zwar beim besten Willen nicht empfehlenswert, aber man muss ihm auch zugestehen, dass er weiss, wie er das Publikum unterhalten kann. Es war wirklich so peinlich, dass man zu jeder Zeit unterhalten wurde.
Auf dem unteren Bild (von der DAAD in Tokyo Seite entnommen) kann man mal sehen, womit man es zu tun hatte.
Danach gab es dann noch Butterbrot und diverse Getränke. Ich habe zwar in Deutschland nie viel Brot gegessen und vermisse es auch in Japan nicht, aber es war dennoch wirklich sehr schön auch mal richtiges Brot essen zu dürfen.
Am Ende gab es dann noch eine Verlosung, wo man selbstgezeichnete Bilder vom Künstler gewinnen konnte. Ich wollte mir kein Los kaufen, da ich von den künstlerischen Fähigkeiten von Jim Avignon nicht sehr begeistert war. Da wir vom Fraunhofer aber ein sehr gutes Verhältnis zum DAAD in Tokyo haben, wurde ich mehrfach darauf angesprochen, ob ich nicht doch ein Los kaufen möchte. Irgendwann habe ich mich dann darauf eingelassen und ein Los gekauft. Später zog dann die Losfee die Hauptgewinnerlose eins nach dem anderen aus der Lostrommel bis sie dann irgendwann auch meine Nummer aufrief. Da ich ja vor lauter "Freude" wirklich nicht wusste was ich sagen sollte, hab ich einfach mal den Rand gehalten um dann meinen Gewinn abzuholen. Hier sehen wir ein Bild mit allen Leuten, die ein Hauptgewinn erhalten haben.

Das Bild ganz rechts hinter mir (von der Leserperspektive aus gesehen) ist jenes, das ich gewonnen habe. Es liegt noch bei mir auf dem Tisch und seltsamerweise wollten es die Leute, denen ich das bisher schenken wollte, nicht haben.
Am 28.11 veranstalteten wir dann vom Büro aus ein Seminar über Microoptics und Photonics. Zu diesem Seminar wurden mehrere Speaker aus Deutschland und Japan eingeladen, welche schon Anfang der Woche vor dem Seminar kamen. Um diese frühe Anreise zu rechtfertigen, mussten die Leute daher auch den Anschein erwecken, sie würden in Japan arbeiten. Daher gab es auch mehrere Firmenbesuche, die von unserem Büro aus organisiert wurden. Ich wurde eingeteilt mit Dr. Popall in die Stadt Fuji zu fahren, um die Firma Asahi Kasei zu besuchen. Es wurde dann wie immer ein Zettel unterschrieben, der uns alle dazu aufforderte, keine Informationen an Dritte weiterzugeben. Dennoch kann ich aber sagen, dass es sehr interessant war, Leute aus der Industrie und Leute aus der Forschung an einem Tisch zu haben, weil man schon sehr deutlich erkennen kann, wie sehr die Meinungen über wirtschaftliche Rentabilitäten auseinandergehen.
Nach der Besprechung sind wir dann noch in ein Restaurant gegangen wo ich das erste Mal ein Erlebnis hatte, das ich gerne mit euch teilen würde. Es heißt "Maccha Eis" (Eis mit Pulver aus grünem Tee). Der Geschäftspartner hatte für jedem am Tisch ein Maccha Eis bestellt. Nachdem das Eis serviert wurde, freute sich Dr. Popall wie ein kleines Kind und meinte, dass dies wirklich die beste Eissorte ist, die es gibt. Ich, der ja an und für sich kein Tee mag, dachte mir dann, dass es sich ja, egal wie man es betrachtet, um Eis handelt, und alles, was den Namen Eis trägt, kann ja nicht so schlecht schmecken. Aber getreu dem Spruch "Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste" nahm ich erstmal ein kleines Stück zu mir, um zu testen ob es mir auch wirklich den Gaumen verwöhnen kann. Kaum schmolz das zarte, kleine Stück Eis auf meiner Zunge dachte ich mir nur noch: BÄÄÄÄH. PFUUUUUUUUUUI. Das ist ja mit Abstand das ekligste Eis, was ich je in meinem Leben je gegessen hatte. BÄÄÄÄH. Das Problem ist auch noch, dass je weniger einem etwas schmeckt, desto länger braucht man auch zum Essen und quält sich wirklich nur noch länger. Irgendwann, nach nur paar Löffeln habe ich dann resigniert und das Eis auf vor mir auf den Tisch gestellt. Da ich dem Gastgeber die Frage, ob das Eis nicht einfach nur himmlisch sei und warum ich denn nciht weiter esse, nicht verneinen wollte, sagte ich: Ich muss Diät machen. Ein kleiner Blick seinerseits auf meinen wohl gerundeten Bauch und er stellte keine blöden Fragen mehr über das abartige Eis.
Jedoch sei erwähnt, dass es sich nur um meinen Geschmack handelt. Ausnahmslos alle anderen, die ich kenne, finden das Eis super. Ich kann damit aber wirklich nichts anfangen, v.a. weil ich Grünen Tee ja auch überhaupt nicht lecker finde.
Um euch aber zu beruhigen: Ich bin mittlererweile über dieses Trauma hinweg und kann nun mit nur einem leichten Brechreiz über dieses Eis schreiben.
Nachdem ich übrigens Frau Saito von diesem üblen Geschmack erzählt hatte und sie sich köstlichst amüsierte, brachte sie mir gestern ein Häagen-Dasz Eis (Oreo Cookie) mit zur Arbeit. Das war richtig süß :).
Am Abend vor dem Seminar gab es dann ein gemeinsames Abendessen mit den Speakern. Da wir uns nicht sicher waren, wie viele von den Speakern teilnehmen, konnten wir auch kein Course Menue vorbestellen. Daher hab ich dann direkt vor Ort alles bestellen können, was ich selber gerne esse. Wir haben dann viel mit den Speakern geredet und obwohl ich von Optischen System etc. recht wenig verstehe, war es schon sehr interessant und faszinierendzu erfahren, was die Leute alles so erfunden haben und welche Anwendungsbereiche es gibt.
Am Freitag war es dann, nach wochenlanger Vorbereitung, soweit. Das Seminar ging los. Trotz der schweren wirtschaftlichen Situation kamen einige Interessenten, sodass der Saal schön gefüllt aussah. An diesem Tag ist alles gut verlaufen: Die Technik hat funktioniert, so wie sie es sollte, die Speaker bekamen auch keinen Herzinfarkt auf der Bühne und wir haben im voraus 40 Personen für die Reception am Abend angemeldet, wo dann auch 39 Leute kamen. Also war die Planung jedenfalls sehr erfolgreich verlaufen. Ob sich aus den Gesprächen mit den Firmen irgendwelche Aufträge ergeben hat weiss ich leider nicht, da ich auch nicht so wißbegierig bin da mal nachzuhaken.
Kaum war das Seminar zu Ende, folgte auch schon das nächste Event am 3-5 Dezember: Die Semicon. Die Semicon ist eine Messe über Halbleiter, wo auch 2 Fraunhofer Institute mit einem Stand vertreten waren. Dies bedeutete wiederrum für uns, dass wir die Wochen vorher einiges organisieren mussten.
Der Udo, Head of Department am Fraunhofer IPA in Stuttgart sagte mir schon am Tag vorher: Boah Messen sind mit Abstand das langweiligste was es gibt, da man ja nur da stehen muss und wartet.
Und so geschah das auch. Die Semicon fand in Chiba statt, das liegt etwas hinter Disneyland Tokyo. Wir tanzten da pünktlich um 10 Uhr an und warteten dann am Stand, dass die Leute vorbeikommen. Es kamen dann auch nicht wenige Gäste, wobei es an und für sich schon relativ langweilig war. So beschloss ich, dass ich die nächsten Tage eher im Büro arbeite und nicht zur Messe hinausfahre.
Laut den Leuten aber, die da waren, war die Messe ganz erfolgreich und man konnte gute neue Kontakte knüpfen.
Am Abend des 4.ten Dezember dann trafen wir uns vom Büro noch zu einem Abendessen in Roppongi beim Italiener, weil Frau Ishijima, die Dame, welche für die Literaturbeschaffung zuständig ist, Ende diesen Jahres in den Ruhestand verabschiedet wird. Der Italiener war auch wirklich extrem lecker. Es gab Auster als Vorspeise. Dann ging es so exquisit weiter und man muss sagen, dass jeder Gang ein Gedicht war.
Kaum war dann die Semicon beendet, ging es schon am 7-9 Dezember weiter mit einem Fraunhofer Symposium in Sendai. Für alle die jetzt im Kalendar nachschauen: GENAU. Der 7.te war ein Sonntag :(.
Wir hatten wieder mal ein ganz gemütliches Hotel und ich habe mich schon Wochen vorher gefragt, ob es wieder so eine tolle Toilette gibt mit einer Popodusche. Und ich war sehr erleichtert, als ich die Toilette inkl. der Popodusche im Bad vorfand.
Die Stadt Sendai hatte uns auch zum Essen eingeladen und ich bekam noch mit der Nao eine Rundfahrt durch die Stadt. Die Vorträge waren wie so oft etwas komplizierter, sodass ich nicht viel verstand. Aber dennoch war das Symposium sehr erfolgreich und schön.
Nach dem Symposium sind dann der Chef und die Nao nach Deutschland geflogen. Daher ist es jetzt wirklich sehr angenehm ruhig im Büro, und man kann sich auch mal auf seine Aufgaben konzentrieren ohne ab und zu mal unterbrochen zu werden.
Anfangs dachte ich schon, dass ich gar nicht wirklich in Weihnachtsstimmung komme, da hier das ganze Plätzchenbacken auch ausfällt. Wie es aber der Zufall so will, bekam ich ein Päckchen von Christine und Annette mit Plätzchen. Ich hab mich wirklich riesig gefreut. Die wurden dann bei uns im Büro verteilt, damit sich auch jeder weihnachtlicher fühlen kann.
Außerdem hat der Chef einen riesigen karton voller Lebkuchen und Stollen bestellt und mir einiges geschenkt, welches bei mir immer noch zu Hause rumliegt :).
In dem Restaurant von nebenan gab es in letzter Zeit sehr viele Reservierungen. Daher wurde ich von der Madame gefragt, ob ich nicht wieder aushelfen könne.
Da sie wirklich immer sehr nett zu mir ist und mir immer etwas zu Essen vorbereitet habe ich natürlich ohne zu Zögern zugesagt. Es ist zwar anstrengend, wenn man 9 Stunden im Büro sitzt und dann noch 4-5 Stunden kellnert. Aber es macht auch wirklich unglaublich viel Spaß. Nicht unbedingt die Arbeit an sich, sondern die ganzen Leute, die ebenfalls da arbeiten. Die sind wirklich alle sehr nett und man kann sich mit ihnen auch immer ein Späßchen erlauben. Es ist also wirklich toll so nette Leute kennenlernen zu dürfen (@Claudia: FALLLLLS du das liest... es soll sich keineswegs um Schleimen handeln, auch wenn du ja sooooooo toll bist, das man nichts anderes sagen kann :P)
Vorgestern war ich dann noch bei der Ehefrau vom Chef. Sie hatte eine Party und hat mich gebeten eine Torte für die Feier zu backen. Ich war überrascht, dass es dennoch relativ gut ging. Ich hatte ja nicht alle Utensilien, die ich auch in Deutschland habe. Von daher dachte ich, dass ich gnadenlos versagen würden.
Die Dame wollte eine Erdbeertorte. Das auf dem Bild ist die Torte, die ich mal in Deutschland gemacht hatte. Da ich kein Bild vorgestern gemacht habe, stelle ich einfach dieses hoch, damit man weiss, wie es ungefähr ausgesehen hatte. Ich kann nur widerholen, dass backen total viel Spaß macht
Ganz am Ende möchte ich noch sagen, dass es nun unaufhaltsam auf Weihnachten zugeht. Weihnachten wird hier in Japan nicht als christliches Fest gefeiert, sondern es ist eher ein Konsumfest. Meiner Meinung nach ist es völlig schwachsinnig Weihnachten zu feiern, wenn man ja nicht dem Christentum angehört. Aber die Japaner scheinen ja eh in vielerlei Hinsicht seltsam zu sein ;).
Ich wünsche allen noch eine wunderschöne vorweihnachtliche Adventszeit und auch schonmal ein Frohes Weihnachtsfest. Ich werde mich sicherlich auch noch bei einigen von euch telefonisch melden. Da ich aber nicht von allen eine Nummer habe wollte ich einfach schonmal sagen, dass selbst wenn ihr nichts mehr von mir hört, dass ich dennoch ganz doll an euch denke.
Bis denne :)
Tuan
NACHTRAG: Danke an Joschis Kommentar :D Also ich habe auch Urlaub :D
Am Montag muss ich noch arbeiten. Am Dienstag den 23.12 ist dann der Geburtstag des Kaisers, wo ich dann auch frei bekomme. ab da bin ich dann offiziell bis 5.Januar im Urlaub :D









